
Was Unternehmen von Hitzeschutzorten lernen können
Warum gute Führung mehr braucht als Ventilatoren
Deutschland erlebt den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Städte richten Hitzeschutzorte ein, Unternehmen denken über flexible Arbeitszeiten nach und viele von uns merken spätestens am Nachmittag, dass Konzentration plötzlich deutlich mehr Energie kostet als noch vor wenigen Wochen.
In Städten wie Barcelona oder Paris gibt es inzwischen öffentliche Gebäude – Bibliotheken, Museen oder Gemeindezentren –, die Menschen während extremer Hitze als Rückzugsort dienen. Orte, an denen sie sich abkühlen, durchatmen und neue Kraft sammeln können. Der Klimawandel ist schon seit langem da, aber spätestens jetzt werden wir auch unseren Alltag und unser Arbeitsleben daran anpassen müssen.
Brauchen wir nicht ebenfalls Hitzeschutzorte? Un nicht nur für den Körper. Sondern auch für den Kopf.
Hitze verändert mehr als unsere Leistungsfähigkeit
Die Auswirkungen hoher Temperaturen auf unseren Körper sind gut erforscht. Wir ermüden schneller, unsere Konzentration lässt nach und komplexe Entscheidungen fallen uns schwerer. Gleichzeitig steigt die Fehleranfälligkeit und wir reagieren häufig gereizter als sonst. Das merken wir alle.
Wir trinken mehr Wasser, suchen Schatten, verschieben Termine oder beginnen unseren Arbeitstag früher. Wir akzeptieren ganz selbstverständlich, dass Menschen unter solchen Bedingungen anders arbeiten als an einem angenehmen Frühlingstag. Und genau darin steckt eine spannende Erkenntnis.
Wir passen unsere Arbeitsbedingungen an äußere Belastungen an. Bei inneren Belastungen gelingt uns das häufig deutlich schlechter.
Nicht jede Belastung kann man messen
Vielleicht kommt eine Kollegin nach einer schlaflosen Nacht ins Büro. Ein Kollege macht sich Sorgen um ein krankes Familienmitglied. Jemand Neues versucht, seinen Platz im Team zu finden. Eine andere Person steckt mitten in einer Veränderung oder trägt einen ungelösten Konflikt mit sich herum. All diese Situationen beeinflussen Aufmerksamkeit, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit.
Nur sehen wir sie nicht. Während wir bei 35 Grad selbstverständlich Verständnis für nachlassende Konzentration haben, erwarten wir bei emotionalen Belastungen oft unverändert dieselbe Leistung.
Dabei reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf Belastung. Genau wie auf Hitze.
Gute Führung schafft passende Rahmenbedingungen
Führung bedeutet nicht, allen Mitarbeitenden dieselben Bedingungen zu bieten. Sie bedeutet, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass unterschiedliche Menschen unter unterschiedlichen Voraussetzungen gute Arbeit leisten können. Deshalb sprechen wir heute selbstverständlich über ergonomische Arbeitsplätze, höhenverstellbare Schreibtische oder flexible Arbeitszeiten.
Vielleicht ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Nicht nur körperliche Arbeitsbedingungen bewusst zu gestalten. Sondern auch psychologische.
Psychologische Sicherheit ist ein Hitzeschutzort
Der Begriff psychologische Sicherheit beschreibt ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen ihre Meinung äußern, Fragen stellen oder Fehler ansprechen können, ohne Angst vor Bloßstellung oder negativen Konsequenzen zu haben.
Das bedeutet nicht, dass immer Harmonie herrscht. Es bedeutet auch nicht, dass Leistung keine Rolle mehr spielt. Ganz im Gegenteil. Teams mit hoher psychologischer Sicherheit sprechen Probleme früher an, lernen schneller aus Fehlern und entwickeln häufiger neue Ideen. Weil Energie nicht dafür aufgewendet werden muss, sich selbst zu schützen. Vielleicht können wir psychologische Sicherheit deshalb auch anders beschreiben:
Als einen Hitzeschutzort innerhalb eines Unternehmens. Einen Ort, an dem Menschen sagen dürfen:
„Ich brauche Unterstützung.“
„Ich sehe hier ein Risiko.“
„Ich bin mir gerade unsicher.“
„Ich schaffe das heute nicht allein.“
Nicht weil sie weniger leisten möchten. Sondern weil genau diese Offenheit langfristig bessere Zusammenarbeit ermöglicht.
Was Führungskräfte konkret tun können
Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch ein Leitbild an der Wand. Sie entsteht in kleinen Momenten des Führungsalltags. Zum Beispiel indem Führungskräfte…
- Belastungen offen ansprechen, statt sie zu ignorieren.
- Prioritäten gemeinsam überprüfen, wenn äußere Bedingungen sich verändern.
- Nachfragen, bevor sie bewerten.
- Eigene Unsicherheiten oder Fehler transparent machen.
- Zuhören, ohne sofort Lösungen präsentieren zu müssen.
Oft reicht schon eine einfache Frage:
„Was brauchst Du heute, um gut arbeiten zu können?“
Diese Frage verändert Gespräche. Sie signalisiert Interesse statt Kontrolle.
Und sie zeigt, dass gute Führung nicht darin besteht, von allen dasselbe zu erwarten, sondern Menschen dabei zu unterstützen, unter den jeweiligen Bedingungen ihr Bestes geben zu können.
Langfristig denken
Hitzewellen werden häufiger. Deshalb lohnt es sich, schon heute über nachhaltige Lösungen nachzudenken:
- Sonnenschutz an Fenstern
- Begrünung von Außenbereichen
- Kühlmöglichkeiten
- Trinkwasserspender
- klare Hitzeschutzkonzepte
- Schulungen für Führungskräfte zum Umgang mit Belastung
Der Klimawandel verändert auch Führung
Der Klimawandel wird Unternehmen in den kommenden Jahren vor viele praktische Herausforderungen stellen. Gebäude müssen angepasst werden. Arbeitszeiten werden flexibler werden. Gesundheitsschutz gewinnt an Bedeutung. Doch vielleicht ist das nicht die einzige Veränderung. Vielleicht lernen wir durch die zunehmenden Hitzewellen auch etwas Grundsätzliches über Führung. Nämlich, dass Leistung immer im Zusammenhang mit den Bedingungen entsteht, unter denen Menschen arbeiten.
Deshalb brauchen Unternehmen künftig wahrscheinlich beides:
Hitzeschutz für den Körper.
Und psychologische Sicherheit für den Kopf.
Denn Menschen leisten dann am meisten, wenn sie sich nicht nur körperlich geschützt fühlen – sondern auch den Mut haben, offen zu sprechen, Fragen zu stellen und Unterstützung anzunehmen.
Verantwortung beginnt nicht erst im Unternehmen
Wenn wir über Hitzeschutz sprechen, sprechen wir zwangsläufig auch über den Klimawandel. Die zunehmenden Hitzewellen zeigen, dass sich unsere Arbeitswelt verändert – und dass wir als Unternehmen Verantwortung übernehmen können.
Auch wir bei imnu möchten unseren Beitrag leisten. Deshalb unterstützen wir jedes Jahr die Organisation PRIMAKLIMA, die sich seit vielen Jahren für den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern engagiert. Wälder sind weit mehr als nur CO₂-Speicher. Sie regulieren das Klima, schützen Böden und Wasser und tragen dazu bei, dass unsere Umwelt auch für zukünftige Generationen lebenswert bleibt.
Für uns gehört nachhaltiges Handeln genauso zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung wie der wertschätzende Umgang mit Menschen. Denn wer Zukunft gestalten möchte, sollte beides im Blick haben: unsere Umwelt und die Menschen, die in ihr leben und arbeiten. Wenn Du Dich zu diesen Thema mit mir austauschen möchtest, buche Dir gerne einen Kennlerntermin.

