Befähigen statt erziehen: Warum gute Führung Selbstdenken fördern sollte

Befähigen statt erziehen: Warum gute Führung Selbstdenken fördern sollte
„Warum denken meine Mitarbeiter:innen nicht mit?“
„Wieso werde ich bei jeder Kleinigkeit gefragt?“
„Ich wünsche mir mehr Eigenverantwortung im Team.“
Wenn Du in Führung bist, kennst Du diese Gedanken vermutlich gut. Der Wunsch nach selbstständigen, verantwortungsvoll handelnden Mitarbeiter:innen ist groß – und gleichzeitig fühlt sich der Führungsalltag oft ganz anders an. Viel Nachfragen, wenig Initiative, Entscheidungen, die immer wieder bei Dir landen.
Vielleicht liegt das Problem aber nicht dort, wo Du es vermutest.
Führung ist kein Erziehungsauftrag
Der Begriff „erziehen“ taucht im Führungsalltag schneller auf, als vielen lieb ist. Oft unbewusst. Er beschreibt eine Haltung, in der eine Person weiß, was richtig ist – und andere dahin bringen soll.
Doch Mitarbeiter:innen sind keine Kinder. Sie sind erwachsene Menschen mit Erfahrung, Kompetenzen und einem eigenen inneren Kompass. Wer sie „erziehen“ möchte, meint es vielleicht gut, erzeugt aber häufig genau das Gegenteil von dem, was er oder sie sich wünscht: Abhängigkeit statt Selbstständigkeit, Anpassung statt Mitdenken.
Gute Führung zielt nicht auf Gehorsam. Sie zielt auf Handlungsfähigkeit.
Selbstdenken lässt sich nicht anordnen
Selbstdenken entsteht nicht durch Anweisungen oder Appelle. Es entsteht auch nicht durch Sätze wie: „Du darfst das ruhig selbst entscheiden.“ Denn was nach Freiheit klingt, ist oft zu wenig.
Viele Führungskräfte greifen zu schnell ein. Sie erklären, lösen, korrigieren, retten. Nicht aus Machtstreben, sondern aus Verantwortung, Zeitdruck oder dem Wunsch, es „richtig“ zu machen. Doch genau dieses Verhalten trainiert Teams darauf, Verantwortung abzugeben.
Das Ergebnis: Mitarbeiter:innen warten ab, sichern sich ab oder fragen lieber einmal zu viel als zu wenig. Nicht, weil sie nicht können – sondern weil sie gelernt haben, dass Denken nach oben delegiert wird.
Verhalten im Team ist immer auch ein Spiegel von Führung.
Befähigung statt Kontrolle
Befähigen heißt nicht, sich zurückzulehnen oder alles laufen zu lassen. Befähigung ist aktive Führung. Sie bedeutet, Verantwortung bewusst zu übergeben – und sie dort zu lassen.
Es ist ein Unterschied, ob Du sagst:
„Du darfst entscheiden.“
oder:
„Du sollst entscheiden – und ich stehe hinter Dir.“
Befähigende Führung schafft einen Rahmen, in dem Selbstdenken möglich wird. Klar, verlässlich und menschlich.
Die vier Grundlagen befähigender Führung
Klarheit vor Freiheit
Selbstständigkeit braucht Orientierung. Wenn Ziele unklar sind, werden Aufgaben abgearbeitet. Wenn Erwartungen diffus bleiben, entsteht Unsicherheit. Befähigung beginnt mit Klarheit: über Ziele, Rollen, Verantwortungsbereiche und Entscheidungsräume.
Vertrauen statt Kontrolle
Vertrauen zeigt sich nicht in Worten, sondern im Verhalten. Wer ständig überprüft, signalisiert Misstrauen. Wer Zutrauen ausspricht und Entscheidungen aushält, stärkt Verantwortung. Fehler gehören dazu – nicht als Makel, sondern als Lernraum.
Fragen statt Antworten
Wer immer Antworten gibt, nimmt Denkprozesse ab. Wer fragt, fördert Reflexion. Gute Fragen öffnen Perspektiven, schärfen Verantwortung und laden zum Mitdenken ein. Sie brauchen Zeit – und verändern Kultur.
Konsequenz statt Rettung
Unterstützung ist wichtig. Rettung ist hinderlich. Wenn Führungskräfte in kritischen Momenten übernehmen, wird Entwicklung unterbrochen. Befähigende Führung hält Verantwortung dort, wo sie hingehört – auch wenn es unbequem ist.
Fragen, die Selbstdenken fördern
Manchmal reicht ein Perspektivwechsel in der Kommunikation. Zum Beispiel durch Fragen wie:
- „Was wäre Dein Vorschlag?“
- „Was brauchst Du, um entscheiden zu können?“
- „Woran würdest Du merken, dass es funktioniert?“
- „Was lernst Du aus dieser Entscheidung – egal wie sie ausgeht?“
Diese Fragen signalisieren: Deine Einschätzung zählt. Deine Entscheidung hat Gewicht. Du bist verantwortlich.
Selbstdenken beginnt bei Dir
Wenn Du Dir mehr Selbstständigkeit im Team wünschst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Haltung. Wo greifst Du zu früh ein? Wo nimmst Du Verantwortung zurück, obwohl Du sie eigentlich übergeben wolltest?
Führung bedeutet auch, Unsicherheit auszuhalten. Nicht alles zu wissen. Nicht alles zu kontrollieren. Entwicklung braucht Raum – und Mut.
Nicht durch Rückzug, sondern durch Befähigung.
Nicht durch Erziehung, sondern durch Vertrauen.
Selbstdenken ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis bewusster Führung. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, kontaktiere mich gerne.

